Mietmarkt - Bericht 1. Halbjahr 2021

Die Mär von der Wohnungsknappheit

Der Wiener Wohnungsmietmarkt verzeichnete im Laufe des ersten Halbjahrs 2021 eine markante Zäsur. Während sich der Trend zum Erwerb von Eigentumswohnungen weiterhin fortsetzte, und eine weitere Steigerung bei Nachfrage und Kaufpreisen zu verfolgen war, erlebten wir bei Mietwohnungen genau das Gegenteil: eine verhaltene Anfragesituation verbunden mit längeren Verwertungszeiten prägten unseren Makleralltag in Q1 und Q2 2021. Gerade bei Bestandswohnungen, die bereits zum wiederholten Male zur Vermietung gelangten und nicht die Merkmale einer Erstbezugswohnung aufwiesen, konnten die zuvor erzielten Mieten des Öfteren leider nicht gehalten werden. In weiterer Folge mussten die Angebotspreise von den Vermietern gesenkt werden.

Die sinkende Nachfrage haben wir vor allem in dem für die lage eins GmbH wichtigsten Mietsegment (preislich zwischen einer BMM in Höhe von € 500,00 und € 1.000,00 bzw. einer Wohnfläche von 30,00m2 bis 80,00m2) bemerkt.

Die Ursache dieser negativen Marktentwicklung lässt sich auf zwei fundamentale Sachverhalte zurückführen. Erstens hat die Coronakrise und die damit verbundene Unsicherheit (wie lange werden wir noch durch die Pandemie wirtschaftlich und privat z.B. durch Infektionszahlen, Lockdowns oder Coronamaßnahmen der Regierung einschränkt sein) viele Menschen von einem Wohnungsumzug abgehalten. Anderseits hat auch ein signifikanter Teil der Bevölkerung seinen Job verloren (Anm., Juli 2020: 43% mehr Arbeitslose als im Vorjahresvergleich, Quelle: statistik.at) oder war durch die Covid-19-Maßnahmen über mehrere Monate in Kurzarbeit. Wir konnten beobachten, dass Mieter in den o.a. Preisklassen bzw. Wohnungsgrößen abwarten, bis es mehr Planungssicherheit gibt, bevor sie Geld für eine neue Wohnung und den damit verbundenen Kosten (Umzug, Kauf von neuen Möbeln, etc.) ausgeben.

In der gehobenen Mietpreisklasse (ab einer BMM von € 1.100,00 pro Monat bzw. im Luxussegment) konnten wir keinen Rückgang der Nachfrage verzeichnen. Diese war im gleichen Umfang gegeben, wie vor der Coronapandemie.

Ein weiterer Grund für die geringere Nachfrage nach Mietwohnungen liegt in der Entwicklung der Bautätigkeit und dem damit verbundenen größeren Wohnungsangebot in Wien. Der Bauboom der letzten Jahre sowie die hohe Nachfrage nach Vorsorgewohnungen haben zu einem deutlich gesteigerten Angebot an Mietwohnungen geführt, das mancherorts mittlerweile die Nachfrage bei Weitem übersteigt. Dies ist gerade in den Flächenbezirken wie Floridsdorf oder Donaustadt zu bemerken, in denen zur Zeit besonders viel neuer Wohnraum geschaffen wird.

Waren 2019 im Durchschnitt noch zwischen 700-800 2-Zimmer-Mietwohnungen im 22. Bezirk pro Monat inseriert, so waren es 2021 bereits zwischen 1.100,00-1.300,00 (Quelle: willhaben.at). Der überwiegende Teil waren Erstbezugswohnungen.

Mit dem Angebot sind ebenfalls die Ansprüche der Mieterinnen und Mieter gestiegen. Ein guter Zustand der Wohnung im Allgemeinen sowie Fußbodenheizung, Balkon und ein Lift im Haus sind mittlerweile bereits zum Standard geworden.

Unser Tipp an angehende Vermieter ist daher, bei der Auswahl einer Anlegerwohnung auf die Mikrolage sowie eine zeitgemäße Ausstattung der Wohnung zu achten, um auch in Zeiten geringerer Nachfrage und gestiegenem Wohnungsangebots bei der Vermietung erfolgreich zu sein.


Veröffentlicht 1 year ago von Marketing

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